Auch im Landtag gibt es ein stilles Örtchen, dass sich Politiker und Journalisten teilen. Unbeobachtet ist man eigentlich nie. Das hätte ich also wissen müssen, als ich heute nachmittag während der Plenarsitzung am Spiegel vor dem Waschbecken stand und meinen Hemdkragen mit dem Sakko in Einklang gebracht habe. "Sie sehen schon gut aus, da laufen hier manche im Landtag ganz anders rum" erklang es in meiner vertrauten fränkischen Muttersprache hinter meinem Rücken. Ich blickte auf und schaute in die Augen eines Staatsministers, nennen wir ihn mal M.S. aus N. Dann ging er aber auch schon zur Tür. "Und beim BR gibt es Leute, die laufen auch ganz anders rum." Lachend lässt er die Tür ins Schloss fallen. Rums. Immerhin, geht es mir spontan durch den Kopf, hat er sich meinen Arbeitgeber gemerkt. Das Interview ist ja auch schon zwei Wochen her. Ob er meinen Namen noch weiß, bezweifle ich mal.Definitiv kennt meinen Namen aber Frau Pauli nicht. Jene Frau Pauli, die in Zeiten wie diesen durch die Hallen des Landtags wandelt und sich wohl fragt, warum sich keiner der Journalisten mehr für Sie interessiert. Fahrenschon, Beckstein, Huber, Herrmann, Rinderspacher, allen werden im Angsicht des Landesbank-Disasters Mikros unter die Nase gehalten. Nur Frau Pauli nicht. Mein Mikro hat sie heute zweimal fast sehnsüchtig angeschaut. Ich habe ihr aber nicht den Gefallen getan, es anzuschalten. Denn heute habe ich einen Beitrag über den letzten Plenartag 2009 aus der Sicht der oberbayerischen Abgeordneten gemacht. Der läuft morgen (Freitag, 17.12.) zwischen 12 und 13 auf Bayern 1.
Ansonsten war die Woche spannend, um nicht zu sagen explosiv. Die Landesbank hat uns schwer in Atem gehalten bzw. ihn uns eher genommen. Am Montag stand ich über zwei Stunden in klirrender Kälte mit zahlreichen Kollegen vor der CSU-Zentrale in München. Auf der Jagd nach O-Tönen haben wir dann auch fast alle bekommen. Während KT zu Guttenberg mit einer gelassenen Selbstsicherheit in die Wand von Mikrofonen hineinlief, versuchte sich Günther Beckstein erfolglos drumherum zu schleichen. Radikaler machte es da unser Landesvater. Der ging einfach mitten durch. Ohne ein Wort zu sagen. Die 3,7 Milliarden hatten ihm die Sprache verschlagen. Mir übrigens auch.
Das alles gibt´s noch einmal im Wochenrückblick auf B5 Aktuell am kommenden Sonntag, den diesmal ich moderieren werde. Um 10.05 und um 19.35 blicken wir auf die politische Woche in Bayern zurück. Das ganze gibts natürlich auch als Podcast (Sendung vom 20.12.2009 zur Landesbank).

