Montag, 2. August 2010
Wo Bayern anfängt
"Bayern ist ja nicht das gelobt Land", hat der neue Münchner Erzbischof bei seiner Begrüßung gesagt und sich in den letzten Reihen die ersten Pfiffe eingefangen. Ich hätte damals sicher nicht mitgepfiffen. Vor einer Woche war ich aber in Lindau und bin um 4 Uhr morgens mit den Fischern auf den Bodensee raus gefahren. Wenn man da so steht, mitten auf dem See, die Berge vor Augen, den Sonnenaufgang im Rücken, der die Wellen auf dem See glitzern lässt und dann noch einen Blick auf die Fischer riskiert, die ihre üppig beladenen Netze aus dem See ziehen, ja dann... - aber hören Sie selbst!
Sonntag, 6. Juni 2010
Baustelle Berlin
In der kommenden Woche werden wir mit dem ganzen Volokurs nach Berlin fliegen, eine Woche intensives Seminar zwischen Kanzleramt, Bundestag und Hauptstadtstudio. Das Wetter wird wohl besser sein als der aktuelle Zustand der Politik. Ich habe in der letzten Woche schon mal vorgearbeitet. "Baustelle Berlin" lautet eine Serie in der Bayern2 Radiowelt, ich habe mich mit der Rolle der FDP in der schwarz-gelben Koalition auseinandergesetzt. Wer will, kann das gerne nachhören.
Das Ende einer politischen Eiszeit?

Die Kluft zwischen Bürgern und Politikern, die Aktivitäten im Grenzgebiet und die Untätigkeit der bayerischen Regierungspartei, darüber diskutieren Ondřej Matějka und Benjamin Zeitler im Dossier Politik. Dazwischen gibt´s ein paar Einspieler. Ich habe den sudentendeutschen Wallfahrtsort Maria Stock / Skoky besucht und bin dort auf einige interessante Entdeckungen gestoßen. Das ganze gibt´s zum Nachlesen und Nachhören hier.
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Unter Beobachtung
Auch im Landtag gibt es ein stilles Örtchen, dass sich Politiker und Journalisten teilen. Unbeobachtet ist man eigentlich nie. Das hätte ich also wissen müssen, als ich heute nachmittag während der Plenarsitzung am Spiegel vor dem Waschbecken stand und meinen Hemdkragen mit dem Sakko in Einklang gebracht habe. "Sie sehen schon gut aus, da laufen hier manche im Landtag ganz anders rum" erklang es in meiner vertrauten fränkischen Muttersprache hinter meinem Rücken. Ich blickte auf und schaute in die Augen eines Staatsministers, nennen wir ihn mal M.S. aus N. Dann ging er aber auch schon zur Tür. "Und beim BR gibt es Leute, die laufen auch ganz anders rum." Lachend lässt er die Tür ins Schloss fallen. Rums. Immerhin, geht es mir spontan durch den Kopf, hat er sich meinen Arbeitgeber gemerkt. Das Interview ist ja auch schon zwei Wochen her. Ob er meinen Namen noch weiß, bezweifle ich mal.Definitiv kennt meinen Namen aber Frau Pauli nicht. Jene Frau Pauli, die in Zeiten wie diesen durch die Hallen des Landtags wandelt und sich wohl fragt, warum sich keiner der Journalisten mehr für Sie interessiert. Fahrenschon, Beckstein, Huber, Herrmann, Rinderspacher, allen werden im Angsicht des Landesbank-Disasters Mikros unter die Nase gehalten. Nur Frau Pauli nicht. Mein Mikro hat sie heute zweimal fast sehnsüchtig angeschaut. Ich habe ihr aber nicht den Gefallen getan, es anzuschalten. Denn heute habe ich einen Beitrag über den letzten Plenartag 2009 aus der Sicht der oberbayerischen Abgeordneten gemacht. Der läuft morgen (Freitag, 17.12.) zwischen 12 und 13 auf Bayern 1.
Ansonsten war die Woche spannend, um nicht zu sagen explosiv. Die Landesbank hat uns schwer in Atem gehalten bzw. ihn uns eher genommen. Am Montag stand ich über zwei Stunden in klirrender Kälte mit zahlreichen Kollegen vor der CSU-Zentrale in München. Auf der Jagd nach O-Tönen haben wir dann auch fast alle bekommen. Während KT zu Guttenberg mit einer gelassenen Selbstsicherheit in die Wand von Mikrofonen hineinlief, versuchte sich Günther Beckstein erfolglos drumherum zu schleichen. Radikaler machte es da unser Landesvater. Der ging einfach mitten durch. Ohne ein Wort zu sagen. Die 3,7 Milliarden hatten ihm die Sprache verschlagen. Mir übrigens auch.
Das alles gibt´s noch einmal im Wochenrückblick auf B5 Aktuell am kommenden Sonntag, den diesmal ich moderieren werde. Um 10.05 und um 19.35 blicken wir auf die politische Woche in Bayern zurück. Das ganze gibts natürlich auch als Podcast (Sendung vom 20.12.2009 zur Landesbank).
Freitag, 11. Dezember 2009
Fränkische Weihnachtsbäume und bayrischer Kinderkrippen
Es kommt nicht oft vor, dass Horst Seehofer einen Raum betritt und es jemanden gibt, der größer ist als er. Absolute Seltenheit ist es, wenn dieser jemand aus Franken kommt. Da schaut dann auch ein gestandener Oberbayer ehrfurchtsvoll in die Höhe. Nun gut, dieser jemand aus Franken ist jetzt kein klassisches Lebewesen, sondern ein Weihnachtsbaum. Aber die Vorstellung, dass der bayerische Ministerpräsident in der Weihnachtszeit zu einem Franken aufschauen muss, wenn er seine Staatskanzlei betritt, hat doch einen gewissen Charme, finde ich.
Zugegeben, daraus eine Geschichte zu machen ist doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Deswegen war an jenem Montagabend in der bayerischen Staatskanzlei auch kein anderer Reporter da außer mir. Wir haben nämlich zum Glück noch den Heimatspiegel, das letzte Relikt der Volksmusik im Bayerischen Rundfunk, jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr auf Bayern 2. Da passt ein Beitrag mit einem fränkisch-bayerischen Augenzwinkern gut rein. Die Übergabe des fränkischen Weihnachtsbaums an Horst Seehofer war erwartungsgemäß unspektakulär und nach zehn Minuten vorbei. Da musste ich mich als Reporter sputen, von jedem einen O-Ton einzuholen. Unser Landesvater hat jedenfalls nach zwei Fragen sofort durchschaut, worauf ich abziele und mir einen Vortrag über die ach so tollen fränkisch-bayerischen Beziehungen gehalten. Gut, dass auch noch Philipp von und zu Guttenberg da war, richtig, der Bruder von KT, eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Er ist Vorstandsmitglied im bayerischen Waldbesitzerverband und die haben auch noch zwei Waldköniginnen. Was es nicht alles gibt, in Bayern. Für mich war´s gut – drei O-Töne und ein bisschen Glamour mehr in meinem Beitrag. Denn gibt´s aber leider nicht im Internet.
Nett war es auch mit unserer Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie hat im bayerischen Landtag eine Kinderkrippe eröffnet, ganz familienfreundlich für die Kinder von Abgeordneten und Mitarbeitern des Landtags. Ist ja nett, meinte ich, aber wir schreiben das Jahr 2009, ein bisschen spät, oder? Besser spät als nie, meinte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, um im gleichen Atemzug hinzuzufügen, dass sie ganz andere Bedingungen hatte, als sie 1980 als Landtagsabgeordnete schwanger wurde. Seitdem hat sich zum Glück einiges getan, was das Frauenbild der CSU betrifft und vieles ist auch Frauen wie Barbara Stamm zu verdanken. Die Kinderkrippe war übrigens ihre Idee – sie hat das im Rekordtempo im Landtagspräsidium durchwinken lassen.
Zugegeben, daraus eine Geschichte zu machen ist doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Deswegen war an jenem Montagabend in der bayerischen Staatskanzlei auch kein anderer Reporter da außer mir. Wir haben nämlich zum Glück noch den Heimatspiegel, das letzte Relikt der Volksmusik im Bayerischen Rundfunk, jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr auf Bayern 2. Da passt ein Beitrag mit einem fränkisch-bayerischen Augenzwinkern gut rein. Die Übergabe des fränkischen Weihnachtsbaums an Horst Seehofer war erwartungsgemäß unspektakulär und nach zehn Minuten vorbei. Da musste ich mich als Reporter sputen, von jedem einen O-Ton einzuholen. Unser Landesvater hat jedenfalls nach zwei Fragen sofort durchschaut, worauf ich abziele und mir einen Vortrag über die ach so tollen fränkisch-bayerischen Beziehungen gehalten. Gut, dass auch noch Philipp von und zu Guttenberg da war, richtig, der Bruder von KT, eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Er ist Vorstandsmitglied im bayerischen Waldbesitzerverband und die haben auch noch zwei Waldköniginnen. Was es nicht alles gibt, in Bayern. Für mich war´s gut – drei O-Töne und ein bisschen Glamour mehr in meinem Beitrag. Denn gibt´s aber leider nicht im Internet.
Nett war es auch mit unserer Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie hat im bayerischen Landtag eine Kinderkrippe eröffnet, ganz familienfreundlich für die Kinder von Abgeordneten und Mitarbeitern des Landtags. Ist ja nett, meinte ich, aber wir schreiben das Jahr 2009, ein bisschen spät, oder? Besser spät als nie, meinte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, um im gleichen Atemzug hinzuzufügen, dass sie ganz andere Bedingungen hatte, als sie 1980 als Landtagsabgeordnete schwanger wurde. Seitdem hat sich zum Glück einiges getan, was das Frauenbild der CSU betrifft und vieles ist auch Frauen wie Barbara Stamm zu verdanken. Die Kinderkrippe war übrigens ihre Idee – sie hat das im Rekordtempo im Landtagspräsidium durchwinken lassen.
Donnerstag, 12. November 2009
Vom Schicksal gezeichnet
Die beiden Röntgenbilder, die mir Chefarzt Dr. Diether Michel vorlegte, waren nur der medzinisch festgehaltene Beweis dessen, was die Yasin und Sayed in den letzten Monaten erleben mussten. Yasin war wohl in der Nähe eines Selbstmordattentäters, als dieser seine Bombe zündete. Eine Bombe, in die er vorher noch Nägel eingebaut hatte, die dann durch die Wucht der Explosion in alle Himmelsrichtungen schossen. Eine davon traf ihn ins rechte Schienbein. Die Operation hat er gut überstanden, einen Tag vor der Abreise zeigte er mir noch den Nagel (Foto rechts oben), den er als Andenken mit nach Hause nehmen wird, wenn er in Kürze zurück nach Kabul fliegt.
Tausend Gedanken sind mir auf der Heimfahrt durch den Kopf geschwirrt. Es ist schön, in einem Land zu leben, in dem Solidarität trotz allem noch etwas zählt: Vom Krankenhaus, das kostenlos operierte und behandelte, über den Knochenspezialisten aus Ludwigshafen, der extra zur Operation unentgeltlich kam, bis hin zur Berliner Firma, die die Knochersatzteile spendete. Ganz zu schweigen von den Dolmetschern und vielen anderen freiwilligen Helfern und Spendern, die sich um Yasin und Sayed kümmern. Aber trotzdem, das wurde mir in den Gesprächen auf den Krankenhausfluren klar, hinterfragen alle ihre Engagement immer wieder. Wenn beide wieder gesund sind, kehren Sie in ein zerrüttetes Land zurück, keiner weiß, in welchem Umfeld sie groß werden, wo sie in zehn Jahren stehen, ja was ist, wenn einer gar zu einem religiösen Fanatiker wird? "Aber", sagte mir Dr. Michel, "wenn man dann den kleinen Sayed lächeln sieht und die Hoffnung hat, dass er doch nicht als Krüppel endet, dann weiß man, dass sich das alles gelohnt hat."
Das meine ich aber auch. Denn Kinder sind immer die wehrlosesten Opfer des Krieges.
Übrigens: Gut, dass es das Internet gibt. Denn mein Beitrag für Bayern 1 und B5aktuell war branchenüblich so kurz, dass er nur einen Bruchteil dieser Informationen wiedergeben konnte. Wer ihn sich aber trotzdem anhören will, der kann das hier tun.
Bombenfunde und Güllegrubenmorde
Schwaben, ausgerechnet Schwaben! Das ist so ziemlich der Teil von Bayern, mit dem ich noch fast gar nichts zu tun hatte. In Franken geboren, in Ostbayern studiert und jetzt wohnhaft in München. Meine erste Hörfunkstation im Volontariat ist nun also Schwaben. Aber wie toll Schwaben ist, habe ich in den letzten zwei Wochen erfahren.
Seit dem 9.9.2009 um 16.30 Uhr ist mein Studium beendet. Wer will, kann mich jetzt Magister nennen, ich lege darauf aber keinen gesteigerten Wert. Schließlich habe ich auch nix gescheits studiert, deswegen bin ich jetzt auch Journalist. Genauer gesagt: Seit dem 21.9.2009 um 8.30 Uhr Volontär des Bayerischen Rundfunk. Zwei Jahre Ausbildung, zwei Jahre Radio und Fernsehen, von A bis Z, zwei Jahre durchs Land reisen, immer auf der Suche nach Geschichten von Menschen für Menschen. Dazwischen haben wir Seminare und Fortbildungen, von Dramaturgie über Recherche bis hin zur Reportage, der Königsdisziplin. Schöner könnte ein Start ins Journalistenleben eigentlich kaum sein.
Nach den Einführungskursen lautet meine erste Hörfunkstation nun also: Schwaben. Als Bayern 1 – Reporter war ich die letzten Tage bereits viel unterwegs. Aus Friedberg habe ich über einen Bauer berichtet, dessen Äcker bis heute voll mit Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind. In Aichach wird man bald nicht mehr alte Leute mit „Essen auf Rädern“ versorgen können, wenn die Bundesregierung ab 2011 tatsächlich den Zivildienst von neun auf sechs Monate verkürzt wird. In Augsburg war ich beim Prozessauftakt gegen den Güllegrubenmörder aus Penzing, am letzten Dienstag ging es dann mit dem Gammelfleischprozess in Memmingen weiter. Das spannende an Regionalberichterstattung ist, dass alle Felder abgedeckt werden. Ich komme morgens zur Arbeit und weiß nicht, was an diesem Tag passieren wird.
Zu hören gibt es meine Beiträge auf Bayern 1 – allerdings muss man dazu im Regierungsbezirk Schwaben wohnen. Denn zu bestimmten Sendezeiten wird das Programm von Bayern 1 gesplittet. Ab Dezember bin ich dann in der Redaktion Landespolitik bayernweit zu empfangen.
Seit dem 9.9.2009 um 16.30 Uhr ist mein Studium beendet. Wer will, kann mich jetzt Magister nennen, ich lege darauf aber keinen gesteigerten Wert. Schließlich habe ich auch nix gescheits studiert, deswegen bin ich jetzt auch Journalist. Genauer gesagt: Seit dem 21.9.2009 um 8.30 Uhr Volontär des Bayerischen Rundfunk. Zwei Jahre Ausbildung, zwei Jahre Radio und Fernsehen, von A bis Z, zwei Jahre durchs Land reisen, immer auf der Suche nach Geschichten von Menschen für Menschen. Dazwischen haben wir Seminare und Fortbildungen, von Dramaturgie über Recherche bis hin zur Reportage, der Königsdisziplin. Schöner könnte ein Start ins Journalistenleben eigentlich kaum sein.
Nach den Einführungskursen lautet meine erste Hörfunkstation nun also: Schwaben. Als Bayern 1 – Reporter war ich die letzten Tage bereits viel unterwegs. Aus Friedberg habe ich über einen Bauer berichtet, dessen Äcker bis heute voll mit Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind. In Aichach wird man bald nicht mehr alte Leute mit „Essen auf Rädern“ versorgen können, wenn die Bundesregierung ab 2011 tatsächlich den Zivildienst von neun auf sechs Monate verkürzt wird. In Augsburg war ich beim Prozessauftakt gegen den Güllegrubenmörder aus Penzing, am letzten Dienstag ging es dann mit dem Gammelfleischprozess in Memmingen weiter. Das spannende an Regionalberichterstattung ist, dass alle Felder abgedeckt werden. Ich komme morgens zur Arbeit und weiß nicht, was an diesem Tag passieren wird.
Zu hören gibt es meine Beiträge auf Bayern 1 – allerdings muss man dazu im Regierungsbezirk Schwaben wohnen. Denn zu bestimmten Sendezeiten wird das Programm von Bayern 1 gesplittet. Ab Dezember bin ich dann in der Redaktion Landespolitik bayernweit zu empfangen.
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