Die beiden Röntgenbilder, die mir Chefarzt Dr. Diether Michel vorlegte, waren nur der medzinisch festgehaltene Beweis dessen, was die Yasin und Sayed in den letzten Monaten erleben mussten. Yasin war wohl in der Nähe eines Selbstmordattentäters, als dieser seine Bombe zündete. Eine Bombe, in die er vorher noch Nägel eingebaut hatte, die dann durch die Wucht der Explosion in alle Himmelsrichtungen schossen. Eine davon traf ihn ins rechte Schienbein. Die Operation hat er gut überstanden, einen Tag vor der Abreise zeigte er mir noch den Nagel (Foto rechts oben), den er als Andenken mit nach Hause nehmen wird, wenn er in Kürze zurück nach Kabul fliegt.
Tausend Gedanken sind mir auf der Heimfahrt durch den Kopf geschwirrt. Es ist schön, in einem Land zu leben, in dem Solidarität trotz allem noch etwas zählt: Vom Krankenhaus, das kostenlos operierte und behandelte, über den Knochenspezialisten aus Ludwigshafen, der extra zur Operation unentgeltlich kam, bis hin zur Berliner Firma, die die Knochersatzteile spendete. Ganz zu schweigen von den Dolmetschern und vielen anderen freiwilligen Helfern und Spendern, die sich um Yasin und Sayed kümmern. Aber trotzdem, das wurde mir in den Gesprächen auf den Krankenhausfluren klar, hinterfragen alle ihre Engagement immer wieder. Wenn beide wieder gesund sind, kehren Sie in ein zerrüttetes Land zurück, keiner weiß, in welchem Umfeld sie groß werden, wo sie in zehn Jahren stehen, ja was ist, wenn einer gar zu einem religiösen Fanatiker wird? "Aber", sagte mir Dr. Michel, "wenn man dann den kleinen Sayed lächeln sieht und die Hoffnung hat, dass er doch nicht als Krüppel endet, dann weiß man, dass sich das alles gelohnt hat."
Das meine ich aber auch. Denn Kinder sind immer die wehrlosesten Opfer des Krieges.
Übrigens: Gut, dass es das Internet gibt. Denn mein Beitrag für Bayern 1 und B5aktuell war branchenüblich so kurz, dass er nur einen Bruchteil dieser Informationen wiedergeben konnte. Wer ihn sich aber trotzdem anhören will, der kann das hier tun.
